Fürstbistum Paderborn - Hochstift Paderborn
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Polizei- und Militärwesen

Im Fürstbistum Paderborn war das Militärwesen, ganz im Gegensatz zu seinen protestantischen Nachbarn schwach ausgebildet. Im 18. Jahrhundert bestand nur ein Regiment, das eng mit dem münsterischen Militär verbunden war. Die Musketierkompanien standen in Paderborn, die Grenadierkompanie in Neuhaus. Das Militär hatte vor allem Aufgaben, die im heutigen Sinne Polizeiaufgaben sind. Es bildete die Schlosswache in Neuhaus und hatte Wachaufgaben in der Landeshauptstadt Paderborn. Beliebt waren die fürstbischöflichen Soldaten offensichtlich nicht, wie vor allem die Auseinandersetzungen um den Kaffeelärm Ende des 18. Jahrhunderts in Paderborn zeigen.

Das kleine Paderborner Territorium hielt sich stets bewaffnete Truppen, die teils für die Sicherung der Landesherrschaft des Fürstbischofs und des Domkapitels, teils zur Gefahrenabwehr von außen genutzt wurden. Sie dienten somit im heutigen Sinne polizeilichen als auch militärischen Aufgaben. Das Fürstbistum kam aber auch Verpflichtungen im Heiligen Römischen Reich nach. Regelmäßig stellte es Kontingente des niederrheinisch-westfälischen Kreises für die Reichsarmee.

Zunächst wurde die Landesherrschaft und das Territorium durch kostspielige Söldner geschützt, im 15. Jahrhundert bildeten sich aber erste milizähnliche Formationen heraus. Diese Landmiliz wurde im Hochstift „Landausschuß“ genannt. Der Landausschuss diente der Landesverteidigung und sollte sich vornehmlich aus Bauern zusammensetzen. Bedeutung hat diese Militärform aber nie erlangt, bis zum Siebenjährigen Krieg war sie fast gänzlich verschwunden, wurde zum Ende hin nur für Polizeiaufgaben genutzt.

Die Heeresmatrikel von 1422 führen noch keine paderbörnischen Truppen auf, die Reichsmatrikel von 1521 führen 34 Fußsoldaten und 18 Reiter auf, die Listen für die Türkenhilfen sprechen von 36 Reitern und 68 Fußsoldaten[20]. Kaiser Leopold I. setze mit dem Reichsschluss von 1681 für das Hochstift eine bestimmte Truppenstärke fest, die allerdings zu Friedenszeiten nicht bindend war. Nur unzureichend erfüllte Paderborn die Erwartungen, lediglich bestärkt durch französische Machtansprüche am Rhein. Die genaue Größe der Truppen gingen über ein Bataillon (etwa 500 bis über 800 Mann) Infanterie und einige Kompanien Dragoner (ungefähr 100 Reiter) nicht hinaus. Die Infanterie bestand aus 2–5 Musketier- und einer Grenadierkompanie. Die kostspielige Kavallerieeinheit verschwand um 1719. Zudem bestand noch eine Invalidenkompanie, zur Versorgung der pensonierten und invaliden Soldaten in Neuhaus.

In Friedenszeiten war das Paderborner Infanterieregiment sowohl in Paderborn als auch in der Residenz Neuhaus (Grenadiere) stationiert gewesen. Die Einquartierung der Truppen erfolgte wie allgemein in Europa üblich nicht in Kasernen, sondern bei der Zivilbevölkerung. Beliebt waren die Landessoldaten auch deshalb nicht, was sich in Anfeindungen während des „Kaffeelärms“ 1781 exemplarisch zum Ausdruck kam.

Trotz teilweiser miserabler Ausstattung und sicher schlechter Ausbildung nahm das Paderborner Militär an mehreren Feldzügen teil. Die eigentliche Landesverteidigung fand nie statt. Im Siebenjährigen Krieg (1757–1763) wurde das Hochstift stets von alliierten französischen und feindlichen vor allem kurhannoverschen Truppen besetzt und verheert.

Das Paderborner Kontingent der Reicharmee variierte über die Jahrhunderte und wurden nie wirklich erfüllt. Vor 1681 musste das Land 34 Infanteristen und 18 Kavalleristen stellen, nach 1681 59,2 Infanteriesoldaten und 52 Kavalleristen. 1702 wurden für die „Westfälische Kreisarmatur“ 332 Infanteristen und 162,5 Kavalleristen genannt.

Den ersten Einsatz hatten die Landestruppen 1689 bei der erfolgreichen Belagerung von Bonn im Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich. Paderbornische Truppen nahmen auch am Spanischen Erbfolgekrieg, am Polnischen Erbfolgekrieg (Belagerung der Festung Philippsburg 1734) und am Türkenkrieg 1736-1739 in Ungarn mit einer nominellen Stärke von 819 Mann teil, mit großen Verlusten. 1745 rückten die Paderborner im Österreichischen Erbfolgekrieg mit verbündeten Kurhannoveranern und Hessen in das Herzogtum Westfalen ein. Den längsten Feldzug unternahmen die Truppen in Thüringen und Sachsen 1757–1763 im Siebenjähren Krieg, in dem sie wohl auf Grund ihres schlechten Zustandes niemals an größeren Schlachten teilnahmen. Schließlich gerieten sie am Eckartsberg in preußische Gefangenschaft. Eine neu geworbene Einheit kam wohl nicht mehr zum Einsatz. An den ersten beiden Koalitionskriegen 1792–1802 nahmen die Paderborner nicht mehr teil, die Auflösung erfolgte 1802 durch die Annexion des Landes durch Preußen.

Polnischer Thronfolgekrieg

Der Opens internal link in current windowPolnische Thronfolgekrieg war eine relativ unbedeutende Episode im 18. Jahrhundert.  Die Paderborner Truppen waren dabei Teil des Reichskontingentes des Opens internal link in current windowniederrheinisch-westfälischen Reichskreises während des missglückten Versuches von Prinz Eugen die Festung Philippsburg zu entsetzen.

Paderborner Soldat in der Gudenus-Handschrift von 1734 (2. von links).  Angefertigt durch Freiherr Philipp Franz von Gudenes im Lager der Reichsarmee.  Deutlich ist die karikaturhafte Darstellung durch von Gudenus zu erkennen. Die beiden Reichstruppen aus Nassau und Paderborn sind klein und gedrungen. Die Uniform ist mit viel Stoff versehen. Die nebenstehenden preußischen Grenadiere sind hochgewachsen und mit modernen knappen Uniformen versehen. Auffällig ist die "norddeutsch-protestantische" Granadiersmütze des Paderborner Soldaten (ohne Bärenfell). Abbildung aus Archiv Bleckwenn.  Vgl. Bleckwenn 1978.

 

Siebenjähriger Krieg

Paderborn hatte innerhalb des niederrheinisch-westfälischen Reichskreises nur ein Batallion für das Reichsheer zu stellen. Am 7. März 1756 verlangte der kölnische Kurfürst und Fürstbischof von Paderborn Clemens August von Bayern die Bereitstellung von 1000 Mann in 7 Kompanien. Nach langen Verhandlungen mit den Landständen einigte man sich 819 Soldaten (bei einer Einwohnerzahl unter 100.000). 479 mussten allerdings neu geworben werden, da die Friedensstärke nur etwa 300 Soldaten umfasste. Das Regiment Mengersen marschierte mit äußerst schlechter Ausrüstung zum Sammelplatz der Reichsarmee nach Erfurt.

Zigarettenbild 1932  Der Historienmaler Richard Knötel d.J. malte einen Paderborner Musketier für die Sturm-Zigarettenbilder 1932. Ohne Quellenangabe deckt sich die Darstellung mit der Gudenus-Handschrift. Knötel kannte die Handschrift (Opens internal link in current windowBleckwenn 1979: 89) und hat sie "borussisiert". Selbst Reichstruppen, die ab 1757 gegen Preußen kämpften, bekamen durch Knötel ein preußisches Erscheinungsbild.Opens internal link in current window Sturm-Zigaretten 1932

Literatur

Opens internal link in current windowRosenkranz 1848 Georg Josef Rosenkranz: Das Paderbornsche Bataillon im siebenjährigen Krieg; in: Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 11, 1849, S. 355-361

Opens internal link in current windowMürmann 1938: Mürmann, Franz: Das Militärwesen des ehemaligen Hochstifts Paderborn; Münster 1938.

Linde 2003: Linde, Roland: Der Paderborner "Kaffeelärm" von 1781. Ein städtischer Konflikt in der Spätphase des geistlichen Staates; in: Westfälische Zeitschrift 151 (2002), S. 361-373.

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